PMOS (PCOS) & Fehlgeburten: Was Insulinresistenz damit zu tun haben kann

Warum Frauen mit PMOS ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko haben können - und warum es sinnvoll ist, bereits vor der Schwangerschaft auf Stoffwechsel und Blutzucker zu schauen.

Vielleicht hast du PMOS (PCOS), bist im Kinderwunsch – und noch nie hat jemand mit dir darüber gesprochen: Frauen mit PMOS (PCOS) haben statistisch gesehen ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten.

Und genau darüber sollten wir sprechen.

Mir ist dabei aber eines ganz wichtig: Ein erhöhtes Risiko bedeutet nicht, dass du eine Fehlgeburt haben wirst. Und wenn du bereits eine Fehlgeburt erlebt hast, bedeutet das schon gar nicht, dass dein PMOS oder irgendetwas, das du getan oder nicht getan hast, dafür verantwortlich war.

Fehlgeburten können sehr viele unterschiedliche Ursachen haben und häufig lässt sich im Nachhinein gar nicht eindeutig feststellen, warum es dazu gekommen ist.

Trotzdem finde ich, dass Frauen mit PMOS (PCOS) dieses Wissen haben sollten. Denn Aufklärung soll keine Angst machen. Aufklärung gibt uns die Möglichkeit, informiert in den Kinderwunsch zu gehen und dort anzusetzen, wo wir tatsächlich etwas beeinflussen können.

Haben Frauen mit PCOS (PMOS) wirklich häufiger Fehlgeburten?

Ja. Die aktuelle internationale PMOS-Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass Schwangerschaften bei Frauen mit PMOS mit einem höheren Risiko für verschiedene Schwangerschaftskomplikationen verbunden sind - darunter auch Fehlgeburten.¹

Eine grosse systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus dem Jahr 2024 untersuchte Daten aus 104 Studien mit insgesamt mehr als 100'000 Schwangerschaften. Dabei hatten Frauen mit PMOS höhere Odds für eine Fehlgeburt als Frauen ohne PMOS. Für Fehlgeburten lag die Odds Ratio bei 1,49.²

Vereinfacht gesagt waren die Odds für eine Fehlgeburt in dieser Analyse also rund 49 % höher.

Wichtig ist aber, diese Zahl richtig einzuordnen: Das bedeutet nicht, dass 49 % der Frauen mit PMOS (PCOS) eine Fehlgeburt haben. Und es bedeutet auch nicht automatisch, dass das persönliche Fehlgeburtsrisiko jeder einzelnen Frau mit PMOS um exakt 49 % erhöht ist.

Interessant ist ausserdem, dass der Zusammenhang auch dann bestehen blieb, wenn unter anderem Alter und BMI berücksichtigt beziehungsweise vergleichbare Gruppen untersucht wurden.² Das erhöhte Risiko lässt sich also nicht einfach damit erklären, dass Frauen mit PMOS häufiger Übergewicht haben.

Und was hat Insulinresistenz damit zu tun?

Genau hier wird es besonders interessant.

PMOS betrifft nicht nur die Eierstöcke oder den Zyklus. Bei vielen Frauen spielt auch der Stoffwechsel eine wichtige Rolle. Insulinresistenz und erhöhte Insulinspiegel kommen bei PMOS häufig vor.

Bei einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin. Der Körper muss deshalb mehr Insulin ausschütten, um den Blutzucker zu regulieren. Diese Stoffwechsellage kann wiederum mit hormonellen und reproduktiven Prozessen zusammenspielen.

Studien liefern Hinweise darauf, dass Insulinresistenz bei Frauen mit PMOS mit einem höheren Fehlgeburtsrisiko verbunden sein könnte. Eine Meta-Analyse bei Frauen mit PMOS, die sich einer Kinderwunschbehandlung unterzogen, fand beispielsweise einen Zusammenhang zwischen Insulinresistenz und spontanen Fehlgeburten.³

Auch unabhängig von PMOS gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang: Eine weitere systematische Übersichtsarbeit zeigte, dass Frauen mit wiederholten Fehlgeburten im Durchschnitt häufiger Zeichen einer Insulinresistenz aufwiesen als Frauen ohne wiederholte Fehlgeburten.⁴

Aber – und das ist mir wirklich wichtig – daraus dürfen wir nicht schliessen, dass Insulinresistenz die Ursache jeder Fehlgeburt bei PMOS ist.

Fehlgeburten sind multifaktoriell. Chromosomale Veränderungen des Embryos gehören beispielsweise zu den häufigsten Ursachen früher Fehlgeburten. Auch Alter, hormonelle, anatomische, immunologische und weitere gesundheitliche Faktoren können eine Rolle spielen.

Und wir können auch nicht sagen: Wenn du deine Insulinresistenz behandelst, verhinderst du damit eine Fehlgeburt.So eindeutig ist die wissenschaftliche Datenlage nicht.

Was wir aber sagen können: Der Stoffwechsel ist bei PMOS ein wichtiger Teil des Gesamtbildes – und deshalb lohnt es sich, ihn gerade bei Kinderwunsch nicht zu ignorieren.

Kinderwunsch bei PCOS (PMOS) beginnt für mich nicht erst beim positiven Schwangerschaftstest

Genau deshalb finde ich es so wichtig, PMOS im Kinderwunsch nicht ausschliesslich als Problem des Eisprungs zu betrachten.

Natürlich brauchen wir einen Eisprung, um überhaupt schwanger werden zu können. Aber die Frage sollte aus meiner Sicht nicht nur sein:

„Wie bekomme ich möglichst schnell einen Eisprung?“

Sondern auch:

„Wie kann ich meinen Körper und meinen Stoffwechsel bereits vor einer Schwangerschaft bestmöglich unterstützen?“

Die internationale PMOS-Leitlinie empfiehlt deshalb unter anderem, Frauen mit PMOS bereits bei Kinderwunsch einen oralen Glukosetoleranztest (OGTT) anzubieten. Wurde dieser vor der Schwangerschaft nicht durchgeführt, soll er beim ersten Schwangerschaftstermin angeboten und zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche wiederholt werden.¹

Je nach individueller Situation können Ernährung, Bewegung, Schlaf und weitere Lebensstilfaktoren sowie gegebenenfalls eine ärztlich begleitete medikamentöse Therapie Teil der Behandlung sein.

Es geht dabei nicht darum, alles perfekt zu machen. Und schon gar nicht darum, Frauen das Gefühl zu geben, sie könnten den Ausgang einer Schwangerschaft vollständig kontrollieren.

Wissen statt Angst

Genau das ist der Grund, warum mir Aufklärung zu diesem Thema so wichtig ist.

Ich möchte Frauen mit PMOS keine Angst vor einer Schwangerschaft machen. Ganz im Gegenteil.

Ich möchte, dass Frauen wissen, dass PMOS (PCOS) mehr ist als ein unregelmässiger Zyklus oder fehlender Eisprung. Dass Stoffwechsel und Insulinresistenz eine Rolle spielen können. Dass es bestimmte Risiken gibt, über die man Bescheid wissen darf. Und dass es sinnvoll sein kann, bereits vor dem positiven Schwangerschaftstest genauer hinzuschauen.

Du kannst nicht jedes Risiko beeinflussen und du kannst nicht jede Fehlgeburt verhindern.

Aber du darfst informiert sein. Du darfst Fragen stellen. Du darfst deine individuellen Risikofaktoren gemeinsam mit deinen behandelnden Ärzt:innen abklären - und dort ansetzen, wo es medizinisch sinnvoll und möglich ist.

Denn PMOS und Kinderwunsch bedeutet für mich nicht nur, irgendwie schwanger zu werden. Sondern auch, informiert und bestmöglich vorbereitet in eine Schwangerschaft zu starten.

Quellen

  1. International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome (2023), Monash University / International PCOS Network.

  2. Bahri Khomami M. et al. (2024): Systematic review and meta-analysis of pregnancy outcomes in women with polycystic ovary syndrome. Nature Communications.

  3. Sun Y. et al. (2020): High BMI and Insulin Resistance Are Risk Factors for Spontaneous Abortion in Patients With Polycystic Ovary Syndrome Undergoing Assisted Reproductive Treatment: A Systematic Review and Meta-Analysis.

  4. Cai W.Y. et al. (2022): Insulin resistance in women with recurrent miscarriage: a systematic review and meta-analysis. BMC Pregnancy and Childbirth.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Diagnostik oder Behandlung.


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